49-Euro-Punks demonstrieren auf Sylt5 Minuten Lesezeit

Unter dem Motto „Gegen soziale, ökologische und ökonomische Missstände“ zogen am 05. August etwa 120 Aktivist*innen und Punks durch Westerland. Ein Großteil der Teilnehmer*innen stammte dabei aus einem Protestcamp in Tinnum.

Bild: Armilla Brandt

Protestsommer 2022

Bereits im Sommer 2022 reisten hunderte Punks mit dem 9-Euro-Ticket auf die Insel, um dort durch ihre Anwesenheit aktiv zu stören. Obwohl das Ticket eigentlich für notwendige Fahrten beworben wurde, erfreute es sich auch großer Begeisterung für Urlaubs- und Ausflugsfahrten. Die Idee des „Sturms auf Sylt“ entstand dabei allerdings nicht einmal von den Punker*innen selbst, sondern wurde durch einen „Bild“-Artikel massiv angefeuert. Im Artikel beschreiben Insulaner*innen ihre große Angst vor einem Ansturm aus „Billigurlaubern“. Viele Aktivist*innen nahmen diese Nachricht erst recht zum Anlass, die „Insel der Schönen und Reichen“ zu besuchen. So bestand der Sommer 2022 auf Sylt aus mehreren Protestcamps sowie vielen kleinen und größeren Aktionen.

Bild: Armilla Brandt


Auch im Jahr 2023 hat die Gruppe „Aktion Sylt“ erneut ein Protestcamp auf der Insel angemeldet. Da der Platz des alten Camps allerdings durch eine extra platzierte Kunstinstallation vor dem Rathaus belegt ist, muss dieses 2023 auf einer Wiese in Tinnum stattfinden. Der Anmelder des Protestcamps Marvin Bederke kritisiert diesen Umstand immer wieder und wirft der Gemeinde vor, eine gewollte Verdrängungsstrategie anzuwenden, um den unliebsamen Protest fernzuhalten. Ganz nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

„So wird der Protest aus der Fußgängerzone, wo er in direkter Nachbarschaft zu diversen Großunternehmen prominent am Ort des Geschehens ist, an den Rand eines außerhalb gelegenen Wohngebietes verdrängt, um so mutmaßlich die zu schädigen, für die er sich eigentlich einsetzt.“

Marvin Bederke, Organisator der „Aktion Sylt“


Durch die Verlagerung des Protests weg von Orten des öffentlichen Interesses versucht die Gemeinde Sylt dem Protest die Öffentlichkeit und Wirksamkeit zu nehmen.

Punker*innen möchten sich nicht verdrängen lassen

Um den Protest in diesem Jahr dennoch in die Innenstadt Westerlands zu tragen, meldeten die Aktivist*innen der „Aktion Sylt“ immer wieder auch Demonstrationen und Kundgebungen an. So auch am Samstag, dem 05. August, als unter einem sehr allgemeinen Motto in Tinnum und Westerland demonstriert wurde. Ziel des allgemein gehaltenen Mottos sollte es sein, möglichst viele Personen anzusprechen und sie von den eigenen Zielen zu überzeugen.


Unter anderem wurde durch Reden und Musikbeiträge immer wieder auf verschiedene Themenbereiche eingegangen. So wurden unter anderem Reden zum Thema Queerfeindlichkeit, Chancengleichheit, Gentrifizierung und Kurtaxe gehalten. Auch die Berliner Künstlerin „Faulenza“ performte bei einer Zwischenkundgebung.

Bild: Armilla Brandt


Das zuerst noch kämpferische Auftreten der Demonstration wurde dabei bis kurz vor Ende der Versammlung aufrecht gehalten. So liefen die ersten Reihen durchweg vermummt und mit lauten Parolen. Davon konnten dann auch vereinzelte Pöbeleien von Passant*innen die Demo nicht mehr abbringen. Trotz medial geschürter Ängste blieb die Demonstration komplett friedlich und die Teilnehmer*innen entfernten sich nach Beendigung dieser zügig zurück in die Innenstadt und in das Protestcamp.

Bild: Armilla Brandt


Ein spontan angemeldeter Protestzug über die Strandpromenade konnte aufgrund des Besitzers nicht stattfinden. Dennoch sahen die Aktivist*innen die Versammlung als gelungen an und kündigten noch am selben Abend als „Aktion Sylt“ weitere Aktionen auf der Insel an.

Armilla Brandt

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