200 statt 5000 Teilnehmende – „Aufbruch“ missglückt9 Minuten Lesezeit

Am 04. November fand in Leipzig eine Demonstration des rechten und verschwörungsideologischen Spektrums statt.
Statt der angemeldeten 5000 kamen nur 200 Menschen, um nach 3 Stunden Kundgebung auf dem Augustusplatz um die Innenstadt zu laufen.
330 Antifaschist*innen stellten sich dem Aufmarsch laut Polizei entgegen.

Bild: Dani Luiz

Unter dem Motto „Aufbruch Leipzig 2023“ hatte die „Bürgerbewegung Leipzig“ zur Demonstration anlässlich des Jahrestags der Querdenken Großdemonstration vom 07.11.2020 in Leipzig aufgerufen. Die Polizei versuchte damals die Versammlung aufzulösen, da geltende Corona-Schutzmaßnahmen vollständig ignoriert wurden.
Daraufhin eskalierte die Situation. Teilnehmende brachen durch Polizeiketten, zündeten Pyrotechnik und griffen Einsatzkräfte, Gegendemonstrant*innen sowie Journalist*innen an.
Der Rechtsextremist Sven Liebich wurde erst kürzlich wegen eines Angriffs auf einen Fotografen, an diesem Tag, zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

„Aufbruch“ mit 200 Teilnehmenden

Drei Jahre nach der Großdemonstration war bereits vor Beginn der rechten Versammlung klar, dass sich deutlich weniger Menschen am Protest beteiligen würden. Angemeldet hatten die Organisator*innen von „Aufbruch Leipzig 2023“ 5000 Menschen, gekommen waren dabei nur etwa 200.
Die extrem rechten „Freien Sachsen“ und die rechte Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ waren mit jeweils einem Infostand vor Ort.
Die Teilnehmenden trugen unter anderem Russland-Fahnen, „Freie Sachsen“-Fahnen, umgedrehte Deutschland-Fahnen, eine „Ami go home“-Fahne des extrem rechten Compact-Magazins und teils erkennbar rechte Kleidungstücke.
Auf einem Banner und einem Pullover waren auch Reichsfahnen zu sehen.

Die Redebeiträge behandelten die typischen Themen der rechten und verschwörungsideologischen Szene. Es wurde rassistische Rhetorik im Kontext von Migration verwendet und gegen die Ampel-Regierung gehetzt.
Zusätzlich zu den immer wiederkehrenden Themen der verschwörungsideologischen Szene war auch der aktuell erneut eskalierende Nahostkonflikt Inhalt mehrerer Beiträge. Dabei wurden mehrfach antisemitische Aussagen getätigt. Beispielsweise äusserte ein Redner: „Zionisten sind keine Juden“ und erzählte anschließend Verschwörungserzählungen über Jüdinnen*Juden, die in den Konzentrationslagern dafür geworben hätten, nach Palästina auszuwandern, um dort einen eigenen Staat aufzubauen. Doch „echte“ Jüdinnen*Juden seien lieber in den Konzentrationslagern verblieben, anstatt einen eigenen Staat zu gründen.

Aufgrund der antisemitischen Redebeiträge waren beim lautstarken Gegenprotest auf der Gewandhaus-Seite des Augustusplatzes immer wieder Sprüche wie „Kannibalismus gehört zu unsren Riten – esst mehr Antisemiten!“ zu hören.
Außerdem wurde beim Gegenprotest in Redebeiträgen auch auf die aktuelle, häufig rassistische, Migrationsdebatte und vorherrschende soziale Probleme eingegangen.

Am Rande beider Kundgebungen kam es zu mehrere Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstrant*innen und Neonazis. Einzelne Neonazis versuchten mehrfach, gezielt Antifaschist*innen anzugreifen. Zudem wurden ebenfalls Journalist*innen angegangen und beleidigt.

Bild: Flora Lukas

Blockadeversuche durch Antifaschist*innen

Sofort als sich die rechte Demonstration in Bewegung setzte, wurde diese von mehreren hundert Antifaschist*innen begleitet, die immer wieder am Rand ihren Unmut äußerten.
Mehrfach versuchten Gegendemonstrant*innen den Aufzug zu blockieren.
Kleinere Gruppen setzten sich auf die Straße und meldeten dort Spontanversammlungen an. Die Polizei leitete die Demonstration immer wieder um die sitzenden Antifaschist*innen herum, sodass diese ohne wirkliche Störung fortgesetzt werden konnte.

Bei Blockadeversuchen und am Rand des Aufzuges kam es mehrfach zu kurzen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gegendemonstrant*innen sowie auch zwischen Teilnehmenden und Gegendemonstrant*innen.
Laut Pressemeldung der Polizei wurden im Zusammenhang mit dem Versammlungsgeschehen unter anderem Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, Körperverletzung, des Verwendens von Kennzeichnen verfassungswidriger Organisationen sowie wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet.

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