11. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU7 Minuten Lesezeit

Am 05.11.2022 fand in Zwickau eine Demonstration zum 11. Jahrestag der Sebstenttarnung des NSU statt. Unter dem Motto „Kein Wegschauen – Kein Vergessen“ ging es mit drei Zwischenkundgebungen durch Zwickau.

Bild: LZO

Dieses Jahr jährte sich die Selbstenttarnung des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ zum 11. Mal. Zu diesem Anlass organisierte die Gruppe Aktivisti Zwickau eine Gedenkdemonstration unter dem Motte „Kein Wegschauen – kein Vergessen“.

Videobeitrag zur Demonstration + Interview mit Jakob Springfeld, Pressesprecher der Organisator*innen

Um 13.30 Uhr trafen sich die ca. 200 Demonstrant*innen an den Gedenkbäumen für die vom NSU Ermordeten. Nach einer Anfangskundgebung mit einigen Redebeiträgen lief die Demonstration schließlich los.

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Auf dem Weg durch die Zwickauer Innenstadt hatten sich auf einem Platz an der Seite der Aufzugsstrecke eine kleine Gruppe Personen mit Schildern platziert. Diese bezeichneten unter anderem die Grünen als Kriegstreiber*innen und sich selbst als legitimen „bürgerlichen Widerstand“. Sonst verlief die Demonstration ohne weitere Zwischenfälle.

Die erste Zwischenkundgebung fand auf dem Zwickauer Marktpatz statt. Es wurde Musik gespielt und weitere Redebeiträge verlesen. Die Forderung nach einer gründlichen Prüfung des Vorgehens des Verfassungsschutzes und der Verstrickung seiner Mitarbeiter*innen in die Morde des NSU wurde in den Redebeiträgen immer wieder betont. Anschließend zogen die Teilnehmer*innen weiter. In den anschließenden zwei Kundgebungen wurde betont, wie stark sich der NSU bis heute auf die Gesellschaft und das Leben linker Menschen in Zwickau auswirke. Die Bäume, die im Gedenken an die Ermordeten gepflanzt wurden, wurden in der Vergangenheit mehrfach durch Personen aus dem rechten Spektrum beschädigt und Gedenkorte verwüstet. Bis heute sei die Stadt ein Ort, an dem sich Neonazis wohl fühlen und öffentlichen Raum einnehmen. Als Beispiel hierfür wurde das rechte Bekleidungsgeschäft „Eastwear Department“ genannt, welches von einem engen Bekannten des NSU-Trios gegründet wurde und bis heute ein Anlaufpunkt für Akteure der extremen Rechten in Zwickau darstellt.

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Auf der letzten Zwischenkundgebung wurde in einem Redebeitrag die vor kurzem veröffentlichte Akte zu den NSU-Morden thematisiert. Die Geheimhaltungsfrist, welche eigentlich erst nach über 30 Jahren abgelaufen wäre, habe demnach einzig und allein dem Zweck gedient, die Rolle des Verfassungsschutzes und seiner V-Leute im NSU-Komplex zu vertuschen. Die Informationen, die diese Akte enthält, bestätigen diese Auffassung. Trotzdem blieb die Forderung die Selbe, die Rolle der V-Personen und der „Verfassungsschützer*innen“ müsse eingehend untersucht und aufgeklärt werden. Die Akten seien zwar aufschlussreich über diese Verstrickungen, wären aber auch offensichtlich unvollständig. Diese Lücken müssten gefüllt und die Täter*innen, Unterstützer*innen und die Schweigenden zur Verantwortung gezogen werden.
Eine umfassende Analyse der veröffentlichen Akten wurde von „Exif Recherche“ veröffentlicht.

Die Abschlusskundgebung fand erneut neben den Gedenkbäumen statt. Es wurden Blumen neben die Gedenktafeln gelegt, Kerzen angezündet und eine Schweigeminute abgehalten. Ohne weitere Zwischenfälle liefen dann die angereisten Personen in einer gemeinsamen Abreise zurück zum Hauptbahnhof.

LZO Redaktion

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